Goldbarren und Münzen mit deutschem Wirtschaftssymbol zeigen Inflationsschutz
Veröffentlicht am Juni 12, 2024

Entgegen der landläufigen Meinung ist Gold kein automatischer Inflationsschutz, sondern ein langfristiger Wertspeicher mit hoher Volatilität.

  • Gold erhält die Kaufkraft über Jahrzehnte, kann aber kurz- und mittelfristig stark im Wert schwanken und sogar unter der Inflationsrate performen.
  • Im Vergleich zu „Betongold“ (Immobilien) bietet physisches Gold eine unübertroffene Liquidität und niedrigere Transaktionskosten in Krisenzeiten.

Empfehlung: Betrachten Sie Gold nicht als Allheilmittel gegen Geldentwertung, sondern als stabilisierenden Portfolio-Baustein (5-15 %), um sich gegen extreme Marktszenarien abzusichern.

Die Angst vor der Inflation ist in Deutschland tief verwurzelt und treibt Sparer auf der Suche nach Sicherheit um. In Zeiten steigender Preise und unsicherer Wirtschaftslagen rückt ein altbewährter Wert in den Fokus: Gold. Es wird als der ultimative „sichere Hafen“ gepriesen, eine Bastion gegen die schleichende Geldentwertung. Marketing und Tradition erzählen die Geschichte eines Vermögensschutzes, der über Jahrhunderte seine Kaufkraft bewahrt hat. Jeder hat schon einmal den Vergleich gehört, dass man für eine Unze Gold heute wie vor 100 Jahren einen massgeschneiderten Anzug bekäme.

Doch was ist wirklich dran an diesem Mythos? Ist Gold ein unfehlbarer Schutzschild gegen die Inflation oder eine teure Illusion, die von der Unsicherheit der Menschen lebt? Viele Anleger kaufen Gold aus einem Bauchgefühl heraus, ohne die tatsächlichen Mechanismen, Chancen und vor allem die nicht zu unterschätzenden Risiken zu verstehen. Die einfache Antwort „Gold ist gut gegen Inflation“ greift zu kurz und ignoriert die Komplexität der globalen Finanzmärkte, die Volatilität des Goldpreises und die Existenz alternativer Sachwerte wie Immobilien oder sogar Luxusgüter.

Dieser Artikel bricht mit den pauschalen Werbeversprechen und liefert eine kritische, faktenbasierte Analyse. Anstatt eine simple Kaufempfehlung auszusprechen, untersuchen wir die Funktionsweise von Gold als Wertspeicher. Wir analysieren seine historische Performance, vergleichen es mit anderen Anlageklassen, beleuchten die realen Risiken staatlicher Eingriffe und geben eine fundierte Antwort auf die Frage, welche Rolle Gold in einem modernen, sicherheitsorientierten Portfolio in Deutschland heute wirklich spielen kann – und welche nicht.

Um diese komplexe Frage zu beantworten, gliedert sich unsere Analyse in mehrere logische Schritte. Wir werden die historische Kaufkraft von Gold untersuchen, Strategien für den Kauf bei Höchstpreisen erörtern und das Edelmetall mit anderen Sachwerten vergleichen, um Ihnen eine fundierte Entscheidungsgrundlage zu bieten.

Warum man für eine Unze Gold vor 100 Jahren den gleichen Anzug bekam wie heute

Die These der stabilen Kaufkraftparität von Gold ist der Kern des Mythos vom perfekten Inflationsschutz. Sie besagt, dass Gold seinen realen Wert über sehr lange Zeiträume beibehält, während Papierwährungen durch Inflation stetig an Kaufkraft verlieren. Das berühmte Beispiel mit dem Anzug ist zwar eine starke Vereinfachung, illustriert aber ein fundamentales Prinzip: den intrinsischen Wert des Goldes. Im Gegensatz zu einer Währung, deren Wert auf dem Vertrauen in einen Staat basiert, hat Gold einen von Natur aus knappen, materiellen Wert.

Historisch gesehen hat sich diese Eigenschaft besonders in extremen Krisen bewährt. Eine historische Analyse der Weimarer Hyperinflation von 1913 bis 1923 zeigt, dass Gold im Vergleich zu allen anderen Anlageklassen den besten Schutz vor dem katastrophalen Kaufkraftverlust bot. Während Geldvermögen praktisch wertlos wurde, bewahrte Gold den Wohlstand seiner Besitzer. Dies hat sich tief in das kollektive Gedächtnis der Deutschen eingebrannt und erklärt die besondere Affinität zu physischem Gold.

Allerdings ist die Betrachtung langer Zeiträume trügerisch. Der Weg ist keineswegs linear. Gold unterliegt erheblicher Volatilität. So explodierte der Goldpreis in den 1970er Jahren von 35 auf 850 US-Dollar pro Unze, nur um dann für die nächsten 20 Jahre in einen Bärenmarkt einzutreten, in dem es real an Wert verlor. Wer 1980 auf dem Höchststand kaufte, musste über zwei Jahrzehnte warten, um seinen Einsatz inflationsbereinigt wiederzusehen. Die langfristige Kaufkraftstabilität wird also mit Phasen erheblicher kurz- bis mittelfristiger Wertschwankungen erkauft. Gold ist kein stabiles Nummernkonto, sondern eine volatile Anlageklasse.

Wie investiert man in Gold, wenn der Preis gerade auf einem Allzeithoch ist?

Die Furcht, „zu teuer“ zu kaufen (FOMO – Fear of Missing Out, gefolgt von der Angst vor dem Absturz), ist bei Anlegern besonders ausgeprägt, wenn der Goldpreis Rekordstände erreicht. Angesichts eines aktuellen Goldpreis-Anstiegs von über +35,52 % in EUR im Jahr 2024, fragen sich viele sicherheitsorientierte Sparer zu Recht, ob der Einstieg jetzt nicht zu riskant ist. Die Sorge ist berechtigt: Ein Kauf auf dem Gipfel kann kurz- bis mittelfristig zu Buchverlusten führen, wenn eine Marktkorrektur einsetzt. Die Psychologie spricht gegen einen Kauf, während die Angst vor weiterer Inflation dafür spricht.

Ein rationaler Analyst würde jedoch davon abraten, den Markt „timen“ zu wollen. Anstatt zu versuchen, den perfekten, niedrigsten Einstiegspunkt zu erraten, was in der Praxis fast unmöglich ist, bieten sich für disziplinierte Anleger zwei bewährte Strategien an:

  1. Der Cost-Average-Effekt (Durchschnittskosteneffekt): Statt eine grosse Summe auf einmal zu investieren, kauft man regelmässig für einen festen Betrag (z.B. monatlich für 200 €). Bei hohen Preisen erwirbt man automatisch weniger Gold, bei niedrigen Preisen mehr. Über die Zeit glättet sich so der durchschnittliche Einkaufspreis, und das Risiko eines einmaligen, ungünstigen Kaufzeitpunkts wird drastisch minimiert.
  2. Goldsparpläne prüfen: Viele deutsche Banken und Edelmetallhändler bieten automatisierte Sparpläne an, die den Cost-Average-Effekt nutzen. Diese sind eine bequeme Alternative zum physischen Kauf kleiner Barren oder Münzen und ermöglichen es, auch mit geringen Beträgen schrittweise ein Goldvermögen aufzubauen.

Diese Ansätze verlagern den Fokus vom spekulativen Timing hin zu einem disziplinierten, langfristigen Vermögensaufbau. Es geht nicht darum, den Markt zu schlagen, sondern darum, systematisch und risiko-adjustiert am Markt teilzunehmen. Der Wechselkurs, insbesondere der EUR/USD-Kurs, spielt ebenfalls eine Rolle, da Gold global in Dollar gehandelt wird. Ein starker Euro kann einen hohen Dollarkurs des Goldes für deutsche Anleger abfedern.

Gold oder Betongold: Was ist flexibler in der Krise?

Für viele deutsche Sparer ist die einzige ernsthafte Alternative zu Gold das „Betongold“ – die selbstgenutzte oder vermietete Immobilie. Beide gelten als klassische Sachwerte, die Schutz vor Inflation versprechen. Doch in einem echten Krisenszenario, in dem Flexibilität und schnelle Verfügbarkeit von Kapital entscheidend sind, zeigen sich fundamentale Unterschiede in ihrer Funktionalität. Die entscheidende Frage lautet: Welcher Wertspeicher bietet die höhere Liquiditätsprämie?

Physisches Gold zeichnet sich durch eine weltweit standardisierte Form und einen transparenten Markt aus. Eine Unze Gold ist eine Unze Gold, egal ob in Frankfurt, New York oder Tokio. Sie kann innerhalb von Minuten zum aktuellen Weltmarktpreis an tausenden von Händlern verkauft werden. Eine Immobilie hingegen ist ein Unikat. Ihr Wert hängt von zahllosen lokalen Faktoren ab (Lage, Zustand, rechtliche Rahmenbedingungen), und der Verkaufsprozess ist langwierig und kostspielig.

Der folgende Vergleich macht die strukturellen Unterschiede deutlich, die gerade in unsicheren Zeiten an Bedeutung gewinnen.

Vergleich der Flexibilität: Gold vs. Immobilien in Krisenzeiten
Kriterium Physisches Gold Immobilien
Liquidität Sofortiger Verkauf möglich Monate bis zum Verkauf
Transaktionskosten 1-3% Spread 10-15% (Notar, Makler, Steuer)
Transportfähigkeit Sehr hoch Nicht möglich
Laufende Kosten Lagergebühren minimal Instandhaltung, Steuern

Die Tabelle zeigt: Gold ist das mobilere und liquidere Asset. Es lässt sich leicht transportieren, diskret lagern und schnell in jede beliebige Währung umtauschen. Immobilien sind illiquide und an einen festen Ort gebunden. Während Gold als ultimative finanzielle Reserve für den Notfall dient, ist eine Immobilie ein langfristiges, standortgebundeneres Investment. In einer Krise kann man nicht einen „Ziegelstein“ verkaufen, um kurzfristig an Geld zu kommen; einen Teil eines Goldbestandes zu liquidieren ist hingegen problemlos möglich.

Die Gefahr staatlicher Eingriffe in den Goldbesitz: Realität oder Panikmache?

Die Diskussion um Gold wird oft von einer tief sitzenden Angst begleitet: der Sorge vor staatlichen Eingriffen bis hin zur Konfiskation. Historische Beispiele, wie das Goldverbot unter US-Präsident Roosevelt 1933, nähren diese Furcht. Für einen kritischen Analysten gilt es jedoch, zwischen begründetem Regulierungsrisiko und reiner Panikmache zu unterscheiden. Die Realität in Deutschland ist differenzierter, als es oft dargestellt wird.

Fakt ist, dass der anonyme Zugang zu Gold in den letzten Jahren schrittweise erschwert wurde. Dies geschah jedoch nicht primär, um den Goldbesitz zu kontrollieren, sondern im Rahmen der EU-weiten Geldwäscherichtlinien. Die wichtigste und oft zitierte Regelung ist hierbei die Herabsetzung der Grenze für anonyme Tafelgeschäfte. Wie der Edelmetallhändler Kettner Edelmetalle in einer Analyse hervorhebt:

In Deutschland sind anonyme Edelmetallkäufe nur noch bis zu 1.999,99 Euro erlaubt.

– Kettner Edelmetalle, Gold vs. Inflation Analyse

Diese Massnahme stellt kein Verbot dar, sondern eine Meldepflicht bei grösseren Transaktionen. Jeder Bürger kann weiterhin unbegrenzt Gold erwerben, muss sich bei Beträgen ab 2.000 Euro jedoch ausweisen. Ein direktes Goldverbot oder eine Konfiskation ist nach aktueller deutscher Rechtslage nicht vorgesehen und wäre verfassungsrechtlich äusserst problematisch. Dennoch ist das Regulierungsrisiko nicht von der Hand zu weisen: Zukünftige Regierungen könnten die Steuern auf Goldgewinne ändern oder die Meldepflichten weiter verschärfen.

Eine weitere, legale Strategie zur Risikodiversifizierung ist die Lagerung eines Teils des Goldes im Ausland. Für deutsche Bürger ist es völlig legal, Gold in Tresoren in Nicht-EU-Ländern wie der Schweiz zu lagern. Dies diversifiziert das politische Risiko und schützt vor potenziellen, auf die EU oder Deutschland beschränkten, regulatorischen Massnahmen.

Wie viel Prozent des Vermögens sollten maximal in Gold stecken?

Die Frage nach der optimalen Gold-Allokation ist eine der meistdiskutierten unter Anlegern und es gibt keine universell gültige Antwort. Finanzberater und Experten empfehlen in der Regel eine Beimischung von 5 % bis 15 % des Gesamtvermögens. Diese Faustregel basiert auf der Funktion von Gold als Portfolio-Stabilisator und nicht als primärer Renditebringer. Gold generiert keine Zinsen oder Dividenden; sein Wert liegt in der geringen Korrelation zu anderen Anlageklassen wie Aktien und Anleihen. In Zeiten, in denen Aktienmärkte fallen, steigt der Goldpreis oft – und umgekehrt. Diese gegenläufige Bewegung dämpft die Gesamtschwankungen des Portfolios.

Die aktuelle Gold-Studie 2024 der Reisebank zeigt, dass Deutsche im Durchschnitt 4.764 Euro in physisches Gold und Münzen investiert haben. Diese Zahl illustriert, dass Gold für viele eher eine Form der „eisernen Reserve“ darstellt als einen zentralen Vermögensblock. Die individuelle, passende Quote hängt stark vom persönlichen Risikoprofil und dem Anlagehorizont ab:

  • Konservative Anleger: Personen kurz vor dem Ruhestand oder mit sehr hohem Sicherheitsbedürfnis könnten sich am oberen Ende der Spanne (10-15 %) orientieren, um das bereits aufgebaute Vermögen zu schützen.
  • Wachstumsorientierte Anleger: Jüngere Anleger mit langem Anlagehorizont, die stärker auf das Wachstum von Aktien setzen, könnten mit einer geringeren Quote von 5 % starten, um sich gegen „Schwarze Schwäne“ an den Märkten abzusichern.

Eine Allokation von über 20 % wäre aus analytischer Sicht kritisch zu sehen. Ein so hoher Anteil würde bedeuten, auf die Renditechancen anderer Anlageklassen zu verzichten und das Portfolio stark von der Wertentwicklung eines einzigen, nicht-produktiven Assets abhängig zu machen. Gold ist eine Versicherung, und wie bei jeder Versicherung sollte die Prämie in einem vernünftigen Verhältnis zum versicherten Wert stehen.

Ihr Aktionsplan: Gold-Anteil im Portfolio prüfen

  1. Bestandsaufnahme: Listen Sie alle Ihre Vermögenswerte auf (Aktien, ETFs, Immobilien, Bargeld, etc.) und ermitteln Sie deren aktuellen Marktwert.
  2. Gold-Quote berechnen: Summieren Sie den Wert Ihres physischen Goldes (Münzen, Barren) und setzen Sie ihn ins Verhältnis zum Gesamtvermögen.
  3. Soll-Ist-Vergleich: Vergleichen Sie Ihre aktuelle Gold-Quote mit Ihrer persönlich definierten Ziel-Quote (z.B. 10 %). Liegen Sie darüber oder darunter?
  4. Risikoprofil abgleichen: Passt die Quote noch zu Ihrer Lebensphase und Risikobereitschaft? Ein 60-Jähriger hat andere Bedürfnisse als ein 30-Jähriger.
  5. Handlungsplan definieren: Legen Sie konkrete Schritte fest. Bei zu niedriger Quote: einen Sparplan einrichten. Bei zu hoher Quote: Gewinne realisieren und in andere Anlageklassen umschichten.

Warum alte Chanel-Taschen heute mehr wert sind als zum damaligen Neupreis

Auf den ersten Blick scheinen Luxusgüter wie eine klassische Chanel-Tasche eine ähnliche Funktion wie Gold zu erfüllen: Sie sind selten, begehrt und steigen im Wert. Es gibt zahlreiche Berichte über Handtaschen, die auf Auktionen ein Vielfaches ihres ursprünglichen Kaufpreises erzielen. Dieser Vergleich ist jedoch irreführend, da er die fundamental unterschiedlichen Mechanismen der Wertbildung ignoriert. Während der Wert von Gold auf seiner natürlichen Knappheit und seinem intrinsischen Materialwert beruht, basiert der Wert einer Luxushandtasche auf spekulativem Markenwert und künstlicher Verknappung.

Der Wert einer Chanel-Tasche wird von der Marketingstrategie des Unternehmens, von Modetrends und dem Prestige der Marke bestimmt. Chanel kann die Produktion jederzeit erhöhen oder einstellen, das Design ändern oder durch eine Preiserhöhung den Eindruck von Exklusivität künstlich verstärken. Der Wert ist also stark von externen, manipulierbaren Faktoren und dem subjektiven Empfinden des Marktes abhängig.

Gold hingegen kann von keiner Einzelperson oder Institution kontrolliert werden. Seine Menge ist physikalisch begrenzt. Sein Wert ist nicht von einer Marke oder einem Trend abhängig, sondern von seiner globalen Akzeptanz als ultimativer Wertspeicher. Der folgende Vergleich verdeutlicht die strukturellen Unterschiede:

Werttreiber im Vergleich: Luxusgüter vs. Gold
Faktor Chanel-Tasche Gold
Wertbasis Markenwert, künstliche Verknappung Intrinsischer Wert, natürliche Knappheit
Fälschungsrisiko Sehr hoch Gering (einfache Prüfung)
Zustandsabhängigkeit Kritisch für Wert Minimal (nur Echtheit zählt)
Markttiefe Nischenmarkt Globaler Markt

Während eine perfekt erhaltene Vintage-Tasche hohe Preise erzielen kann, ist eine Tasche mit Gebrauchsspuren schnell deutlich weniger wert. Ein Goldbarren hingegen verliert seinen Wert nicht, wenn er einen Kratzer hat – sein Wert bemisst sich allein nach Gewicht und Reinheit. Der Markt für Luxusgüter ist ein volatiler Nischenmarkt für Kenner, während der Goldmarkt ein globaler, liquider Milliardenmarkt ist. Luxusgüter können eine interessante, aber hochspekulative Beimischung sein; mit der fundamentalen Sicherheitsfunktion von Gold sind sie nicht zu vergleichen.

Warum Stahluhren oft eine höhere Rendite bringen als Golduhren

Ein ähnliches Phänomen wie bei Handtaschen lässt sich auf dem Markt für Luxusuhren beobachten. Es mag kontraintuitiv klingen, aber bestimmte Stahlmodelle von Marken wie Rolex, Patek Philippe oder Audemars Piguet erzielen auf dem Sekundärmarkt Preise, die weit über denen vergleichbarer Modelle aus massivem Gold liegen. Auch hier liegt der Schlüssel zum Verständnis in der Unterscheidung zwischen intrinsischem Materialwert und spekulativem Sammlerwert. Eine Marktanalyse von Chrono24 fasst dies treffend zusammen:

„Der intrinsische Wert einer Golduhr liegt im Material, während Stahluhren rein spekulativ bewertet werden.“

– Chrono24 Marktanalyse

Der Wert einer Golduhr hat eine natürliche Untergrenze: den reinen Materialwert des Goldes. Selbst wenn die Marke an Prestige verliert, bleibt der Goldwert bestehen. Eine Edelstahluhr hingegen hat einen Materialwert von wenigen Euro. Ihr hoher Preis ist das Ergebnis einer extremen Nachfrage, die durch künstliche Verknappung seitens der Hersteller und den Hype in Sammlerkreisen angeheizt wird. Es handelt sich um eine reine Spekulationsblase, die jederzeit platzen kann.

Diese Dynamik lässt sich perfekt auf den Markt für Anlagemünzen übertragen. Auch hier gibt es zwei grundlegend verschiedene Kategorien:

  • Standard-Anlagemünzen (Bullionmünzen): Ein Krügerrand oder ein Maple Leaf wird nur mit einem geringen Aufschlag auf den reinen Goldpreis gehandelt. Ihr Wert ist direkt an den Goldkurs gekoppelt. Sie entsprechen der Golduhr – ihr Wert ist materiell fundiert.
  • Numismatische Münzen (Sammlermünzen): Seltene historische Münzen werden mit einem hohen Sammleraufschlag gehandelt, der weit über dem Materialwert liegt. Ihr Wert ist spekulativ und hängt von der Nachfrage in einem kleinen Nischenmarkt ab. Sie entsprechen der Stahluhr – ihr Wert ist primär spekulativ.

Für einen sicherheitsorientierten Anleger, dem es um den reinen Inflationsschutz geht, sind die spekulativen Aufschläge von Sammlerstücken (egal ob Uhren oder Münzen) irrelevant und sogar riskant. Der Fokus sollte immer auf Anlagen liegen, deren Wert so nah wie möglich am reinen, intrinsischen Materialwert liegt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Gold ist eine Anlage für den langfristigen Werterhalt (Jahrzehnte), nicht für kurzfristige Spekulationsgewinne.
  • Der Hauptvorteil von Gold gegenüber anderen Sachwerten liegt in seiner globalen Liquidität und seiner geringen Korrelation zu Aktien.
  • Der Wert von Gold ist intrinsisch und materiell, im Gegensatz zum spekulativen Wert von Luxus-Sammelobjekten wie Uhren oder Handtaschen.

Welche Anlagemünzen sind in Deutschland komplett mehrwertsteuerfrei kaufbar?

Für deutsche Anleger, die sich für physisches Gold als Inflationsschutz entscheiden, bietet der Gesetzgeber einen entscheidenden Vorteil: den mehrwertsteuerfreien Erwerb von Anlagegold. Dies ist ein signifikanter Unterschied zu anderen Edelmetallen wie Silber, Platin oder Palladium, bei denen die volle Mehrwertsteuer von 19 % anfällt und die somit vom Start weg 19 % an Wert gewinnen müssen, um nur den Kaufpreis wieder einzuspielen. Angesichts der Tatsache, dass deutsche Privathaushalte laut aktueller Studie 5.229 Tonnen physisches Anlagegold besitzen, ist dieser Steuervorteil ein relevanter Faktor.

Doch nicht jedes Goldprodukt ist automatisch von der Mehrwertsteuer befreit. Die Regelung gilt spezifisch für „Anlagegold“. Laut § 25c UStG (Umsatzsteuergesetz) sind dies:

  • Goldbarren: Sie müssen einen Feingehalt von mindestens 995/1000 aufweisen und von einem am London Bullion Market Association (LBMA) zertifizierten Hersteller stammen.
  • Goldmünzen: Sie müssen einen Feingehalt von mindestens 900/1000 haben, nach dem Jahr 1800 geprägt worden sein, in ihrem Herkunftsland als gesetzliches Zahlungsmittel gelten (oder gegolten haben) und dürfen nicht für mehr als 180 % des reinen Goldwertes verkauft werden.

In der Praxis bedeutet dies, dass alle gängigen und weltweit bekannten Anlagemünzen für deutsche Käufer mehrwertsteuerfrei sind. Zu den beliebtesten und liquidesten Optionen gehören:

  • Krügerrand (Südafrika)
  • Maple Leaf (Kanada)
  • Wiener Philharmoniker (Österreich)
  • Kangaroo / Nugget (Australien)
  • American Eagle (USA)

Diese Münzen bieten den Vorteil einer hohen weltweiten Akzeptanz und Liquidität. Beim Kauf sollte man auf renommierte Banken oder Edelmetallhändler zurückgreifen, um die Echtheit sicherzustellen. Für den sicherheitsorientierten Anleger sind diese standardisierten, steuerbefreiten Münzen die erste Wahl, da sie den direktesten und kosteneffizientesten Weg darstellen, in den reinen Materialwert von Gold zu investieren.

Die richtige Strategie ist also keine pauschale Empfehlung, sondern das Ergebnis einer sorgfältigen, persönlichen Analyse. Bewerten Sie Ihre eigene Risikobereitschaft und Ihren Anlagehorizont, um den Stellenwert von Gold in Ihrem Portfolio fundiert zu bestimmen.

Häufige Fragen zu Goldbesitz in Deutschland

Kann der Staat mein Gold konfiszieren?

In Deutschland gibt es aktuell keine rechtliche Grundlage für eine Goldkonfiskation. Die Verfassung schützt das Eigentum. Allerdings wurden Meldepflichten für grosse Transaktionen zur Bekämpfung von Geldwäsche in den letzten Jahren verschärft.

Was bedeutet die 2000-Euro-Grenze?

Seit dem 1. Januar 2020 müssen Edelmetallhändler die Identität von Kunden feststellen, die anonym Gold oder andere Edelmetalle im Wert von 2.000 Euro oder mehr kaufen möchten (sogenanntes Tafelgeschäft). Bei Käufen unter dieser Grenze ist kein Ausweis erforderlich.

Ist die Lagerung von Gold im Ausland legal?

Ja, es ist für deutsche Bürger vollkommen legal, Gold in Nicht-EU-Ländern wie zum Beispiel der Schweiz zu erwerben und dort in einem Tresor oder Schliessfach zu lagern. Dies kann eine Strategie zur Diversifizierung politischer Risiken sein.

Geschrieben von Dr. Thomas Breuer, Unabhängiger Finanzanalyst für Sachwerte und Edelmetalle in Frankfurt am Main. Spezialist für Inflationsschutz, alternative Anlageklassen (Uhren, Gold) und steuerrechtliche Aspekte beim Vermögensaufbau.